Buchinger im SPIEGEL

"Die Heilkraft des Fastens"

Spiegel Ausgabe 13/2011Lesenswerte Titelstory mit Einblicken in die Biologie des Hungerns, die Therapiemöglichkeiten in der Klinik Dr. Otto Buchinger in Bad Pyrmont und die lebensverlängernden und heilsamen Wirkungen einer Fastenkur.

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Wissenswertes zum Fasten

"Mein lieber Sohn, Du tust mir leid,
Dir mangelt die Enthaltsamkeit.
Enthaltsamkeit ist das Vergnügen
an Sachen, welche wir nicht kriegen!
Drum lebe mäßig, denke klug.
Wer nichts gebraucht, der hat genug."

-- Wilhelm Busch
Nach diesem lyrischen Einstieg sollen Ihnen nun einige grundlegende Gedanken zur Fastentherapie nach Dr. Otto Buchinger nahegebracht werden.
 

Was ist eigentlich Fasten?

Fasten ist der bewußte, freiwillige Verzicht auf feste Nahrung, d.h. die Nahrungszufuhr aus freien Stücken für einen begrenzten Zeitraum unter die Bedarfsgrenze herabzusetzen.
Das Fasten nach Dr. Otto Buchinger ist allerdings keine "Null-Diät", sondern eine niederkalorische Trinkdiät (Diaita = altgriechisch für Lebensweise)! Der Sinn des Fastens liegt - zusammengefaßt - im Bereich der körperlichen Reinigung und Regeneration, der Bewußtwerdung und Selbstfindung; das Fasten regt die Selbstheilungskräfte des Körpers an. Fasten hat nichts mit Hungern zu tun!
 

Warum fastet man?

  • Wegen einer schon bestehenden Grunderkrankung
  • Aus Gründen der Vorbeugung/Prävention (Gesundheitsvorsorge)

Nur stichwortweise: Risikofaktoren / Ernährungsumstellung / Gesundheitsschulung / Bewußtseinserweiterung / seelisches Wohlbefinden
 

Grundsätzliches zum Fasten:

  • Nicht essen, nur trinken - etwa 2,5 bis 3 Liter Flüssigkeit pro Tag
  • Weglassen, was nicht lebensnotwendig ist: Alkohol, Nikotin, Koffein, Süßes
  • Sich natürlich verhalten: Körperliche Aktivität im Wechsel mit Bettruhe (nicht aber "herumliegen" !!), deutlicher formuliert: "Fasten ohne Bewegung oder Sport ist nicht sinnvoll."
  • Ausscheidungen (die "Entschlackung") über den Darm, die Nieren, die Haut fördern.
  • Aktives Schwitzen durch sportliche Betätigung (effektiver als passiv in der Sauna zu schwitzen). Der ideale Beginn des Fastens ist die Darmreinigung durch ein abführendes Salz.
  • Sich vom Alltag lösen: Keine Hektik! Ausreichend Ruhe und Wendung nach innen!
  • Der stufenweise Diätaufbau nach dem Fasten vermittelt in idealer Weise die Möglichkeiten einer gesunden Ernährung (Vollwerternährung), und ist untrennbarer Teil der Behandlung. Die Fastendauer selbst wird vom Arzt individuell festgelegt.
  • Fasten sollte nur der, der innerlich dazu bereit und eventuell durch Literatur oder Er- fahrungsschilderungen vorbereitet ist. Wenn jemand noch nie etwas vom Fasten gehört hat, kein echtes Interesse daran hat und im Grunde auch nichts davon wissen will, sollte er nicht fasten!
  • Der am Fasten Interessierte sollte bereit sein, gewisse schädliche Einflüsse (z.B. Nikotin, Alkohol) in Zukunft zu meiden!

Gewicht ist nur Nebensache! Wichtiger ist es, diese Zeit für geistig-seelische Bedürfnisse zu nutzen (zu denen uns der hektische Tagesablauf meistens keine Zeit läßt).

"Nach dem Fasten sollte das Bewußtsein weiter sein als der Hosenbund.


Was ist wichtig am Fasten?

Abgesehen vom rein schematischen Ablauf, den Sie der entsprechenden Literatur entnehmen können:

  • Die ärztliche Betreuung gibt Sicherheit, die durch Führung und Begleitung verstärkt wird.
  • Das Umsorgtsein, die Zuwendung gibt Geborgenheit.
  • Die Distanz zu häuslichen/alltäglichen Problemen schafft Erleichterung und Raum für andere Gedanken - z.B. neue Lebenskonzepte. Man kann sich aussprechen, Belastendes zur Sprache bringen, einer Lösung zuführen.
  • Das Bewegungsprogramm schult den Körper, erhält die Muskulatur.
  • Informationen über eine vernünftige, gesunde Ernährung führen (vorausgesetzt, man hält sich weiterhin daran) zu einer verbesserten Gesundheit und Minderung von Risikofaktoren. Bei entsprechender Indikation (z.B. Diabetes mellitus) wird eine qualifizierte Diätberatung durchgeführt.

Durch bewußten Verzicht auf Umweltreize kommt es während einer Fastenbehandlung zur Sensibilisierung für eigene Bedürfnisse, zu einer Schärfung der Sinne (Geschmack, Geruch etc.).
Es wäre überlegenswert, ein Fastentagebuch zu führen, da unter dem Fasten verdrängte Denkinhalte plötzlich wieder zur Verfügung stehen und so aufgearbeitet werden können.

Ein umfangreiches Bewegungsprogramm trägt dazu bei, Spannungen abzubauen - die körperliche Beanspruchung ermüdet und verbessert gleichzeitig die Schlafqualität.
Eine gleichzeitige Gesundheitsschulung durch Arztvorträge informiert über Möglichkeiten, Erkrankungen vorzubeugen und vermittelt Hinweise zur Verbesserung des Eßverhaltens durch Erläuterungen über verschiedene Organfunktionen.
 

Was soll eine Fastenbehandlung also bewirken?

Zunächst sollen bestehende Gesundheitsstörungen gebessert oder beseitigt werden. Die wichtigste Intention ist jedoch, die Eigenverantwortlichkeit des Menschen gegenüber seiner Gesundheit zu stärken, da sonst die Solidargemeinschaft der Versicherten für alle Folgen in immer stärker werdendem Maße finanziell aufkommen muß.
Denn: Die Gefahr liegt in der Selbsttäuschung "mich wird es schon nicht erwischen" (trotz ungesunder Lebensweise).

Wer die moderne Intensivmedizin kennt, weiß, daß man im Allgemeinen nicht so schnell an den Folgen schädlicher Verhaltensweisen stirbt - und vor allem nicht qualvoll! Man sollte sich folgendes klar machen: Durch das "Zuviel-haben-wollen" kommt es zu reichlichem, ungesundem Essen, und dadurch wieder um auch zu Übergewicht; wird hier nicht eingegriffen, drohen Herzinfarkt, Krebs und eventuell verfrühter Tod!
 

Wie fühlt man sich nach dem Fasten?

  • Besserung eventueller gesundheitlicher Probleme
  • Zunahme der Körperlichen Beweglichkeit und der geistigen Leistungsfähigkeit
  • Ein Gefühl der Leichtigkeit (sehr häufig so geschildert)
  • Eine Zunahme der Lebensfreude, der Lebensqualität
  • Bei fortgesetztem Einhalten der vermittelten gesundheitswirksamen Regeln ein längeres Leben bei sehr guter Lebensqualität (starre Regeln werden nicht vermittelt, sondern an die individuelle Lebenssituation angepaßte Empfehlungen gegeben - auch im Sinne einer Lebensberatung - d.h. es wird ein Konzept vermittelt).

Was stellt der Hausarzt nach dem Fasten fest?

Bei Blutuntersuchungen verbesserte bzw. normalisierte Fettwerte / Leberwerte / Blutzuckerwerte, eine Normalisierung einer vorher erhöhten Blutsenkung (nach Ausschluß einer bösartigen Ursache), eine Normalisierung eines vorher erhöhten Blutdruckes, Linderung oder Besserung rheumatischer Beschwerden, vermehrte körperliche und geistige Belastbarkeit.
 

Zu guter Letzt:

Der Fastende sollte sich nicht täglich wiegen (allenfalls alle 2 Tage), keine Gedanken und Diskussionen über 100 - 900 Gramm-Schwankungen! Das ist unerheblich.
Das Gewicht wird zwar vom Arzt genau beobachtet, ist aber nur Nebensache!
 

Essregeln:

  1. Essen Sie nicht zu schnell!
  2. Essen Sie nicht zu viel!
  3. Essen Sie nicht, wenn Sie gestreßt oder erschöpft sind!
  4. Hören Sie auf zu essen, wenn es am besten schmeckt!
  5. Gut kauen, die Bissen nicht mit Flüssigkeit (nur angekaut) herunterspülen.

"Jeder kann zaubern,
jeder kann seine Ziele erreichen,
wenn er denken kann,
wenn er warten kann,
wenn er fasten kann."

-- Hermann Hesse